Die Rheinstrombäder in Breisach

Flussbad Breisach?
Jessica Janeck (17. Juli 2005): Big Jump 2005 Vogelgrun/Breisach
Das erste Breisacher Rheinstrombad wurde 1864 gebaut. Aus einem „Visitationsbericht“ von 1863 des Oberamtmannes Schindler geht die Empfehlung an den Breisacher Gemeinderat hervor, eine Badeanstalt zu errichten. Unter sicheren Bedingungen sollte man das Schwimmen erlernen können.

Flussbad Breisach Werbung
(Quelle: Stadtarchiv Breisach)
Vom Rheinstrombad versprach man sich aber auch eine Belebung des Fremdenverkehrs. Bereits 1872 bekam man von der Bahnverwaltung Freiburg Badekarten, die neben dem Besuch des Bades auch die Hin- und Rückfahrt von Freiburg nach Breisach zum halben Preis mit einschloss. So kamen denn auch viele Freiburger nach Breisach, die es genossen im fließenden Wasser zu schwimmen. Elz und Dreisam führten dafür zu wenig Wasser.

Bereits 1875 kam es zum Bau eines weiteren Bades, dass in der ersten Saison an 118 Badetagen bereits 9587 Besucher zählte. Doch nicht genug, schon 1890 kam ein weiteres Bad hinzu, welches mit einer Beckenlänge von 26 Metern zu den modernsten Strombädern Deutschlands zählte.

Inzwischen gab es also 3 Stromschwimmbäder in Breisach, das Schwimmbad, das Zellenbad und das Kinderbad. Nach dem ersten Weltkrieg waren sie in einem sehr maroden Zustand, so dass der Bürgerausschuss den Betrag von 1100 Mark bewilligte, um die notwendigsten Reparaturen an den Bädern vorzunehmen. Die Badezeiten waren so festgelegt, dass Männer und Jungen einerseits und Frauen und Mädchen nur zu unterschiedlichen Zeiten baden durften.

Flussbad Breisach um 1930
Breisacher Rheinstrombad um 1930 (Quelle: Stadtarchiv Breisach)

1925 kam es wegen der inzwischen alt gewordenen Bäder erneut zu einem modernen Neubau. Während das alte Bad noch zu allen 4 Seiten geschlossen war, blieb das neue Bad nun zum Rhein hin offen. Spätestens damit war das Rheinstrombad in Breisach zum Anziehungspunkt der gesamten Region geworden. Und das obwohl die Reichsbahn die Fahrpreisermäßigung, trotz massiven Freiburger Protests für die Rheinbadenden nach dem ersten Weltkrieg bereits eingestellt hatte.

Schon am ersten Sonntag nach der Eröffnung kamen 450 Besucher und im August zählte man an manchem Sonntag bis zu 800 Besucher.

Flussbad Breisach um 1930
Breisacher Rheinufer (Quelle: Stadtarchiv Breisach)

Das Rheinstrandbad erfüllte vor allem die Bedürfnisse derjenigen, die risikofrei im strömenden Wasser schwimmen wollten. Die Kapazität des Bades war, gemessen am Bedarf im Rhein zu schwimmen, mit ca. 250 Badegästen jedoch eher bescheiden. Auf einer Strecke von bis zu zwei Kilometern verteilten sich daher die Badenden mit ihren Badetüchern und Decken. Es wird berichtet, dass an schönen Sommertagen bis zu 5000 Badelustige nach Breisach zum baden kamen. Der Andrang war so groß, dass die Bahn an Sonntagen zu dem um 11 Uhr vormittags aus Freiburg einlaufenden Zug noch einen Vorzug in gleicher Größe einsetzen musste. Doch viele kamen aus Freiburg auch mit dem Rad. Dem großen Andrang zufolge lag die Forderung nahe, neben den Flussbädern auch ein Strandbad einzurichten.

Denn leider überschätzten sich auch einige der Schwimmer, so dass es immer wieder zu Todesfällen kam. Die Freiburger Zeitung vom 31.7.1928 drückte das so aus:

"Während der heißen Tage der letzten Wochen hat der Rhein wieder zahlreiche Kühlungssuchende in seine feuchten Arme genommen und sie lebend nicht mehr frei gelassen".

Die Situation verbesserte sich erst, als 1929 auf Initiative des Breisacher Bürgermeisters unter Leitung der DLRG während der Badezeit im Sommer ein Rettungsdienst eingerichtet wurde.

Die Besucherzahlen des Rheinstrombades blieben bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hoch.